Geschichte des Musikvereins Bilstein 1888 e.V.

Stattliche 123 Jahre ist der Musikverein Bilstein im Jahre 2011 alt.
Gestützt auf die Festschrift, die 1988 anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Musikvereins von Volker Eberts verfasst wurde, möchten wir an dieser Stelle etwas über die Geschichte berichten.

Im Jahre 1888, zu einer Zeit, als so manche Erfindung "das Laufen lernte" (Glühbirne, Automobil), kam es aufgrund einer Anregung des Erziehungsbeamten Hobicht zu einem Treffen von vierzehn Männern aus Bilstein und Kirchveischede in der heutigen Bäckerei Vente in Bilstein. Am 28. Mai 1888 hoben sie den Musikverein Bilstein aus der Taufe. Eine schöne Sache - doch ohne Instrumente konnte kaum an Musizieren gedacht werden.
"Der Anschaffungspreis dieser musikalischen Grundausstattung (...) betrug 833 Mark" (Eberts 1988). Durch Mitgliedsbeiträge und Spenden war diese Summe bereits 1891 abgetragen. Eine stolze Leistung, wenn man die seinerzeit schlechte wirtschaftliche Situation bedenkt.
"Unter der Leitung von Heinrich Ahlbaum trat der Verein erstmals öffentlich auf. Schon beim Schützenfest in Bilstein im Jahre 1890 wirkten die Bilsteiner Musiker im schwarzen Anzug mit Zylinder im Festzug mit" (Eberts 1988).

Das älteste erhaltene Foto des Musikverein Bilstein aus dem Jahr 1891
Das älteste erhaltene Foto des Musikverein Bilstein aus dem Jahr 1891

Nachdem unter dem Dirigenten Bernhard Arndt (1891 bis 1893) die ersten Noten von einem Düsseldorfer Husarenregiment gekauft worden waren, spielte der Musikverein Bilstein in dieser Zeit zum ersten Mal selbstständig auf dem Schützenfest in Benolpe.

In den folgenden Jahren bildeten die Schützenfeste in Bilstein und Kirchveischede, Prozessionen, Volks- oder Heimatfeste Anlässe, musikalisches Können unter Beweis zu stellen.

Schützenfest in Bilstein im Jahr 1905. Im Vordergrund der Musikverein auf der heutigen B55 in der Nähe der Pfarrkirche
Schützenfest in Bilstein im Jahr 1905. Im Vordergrund der Musikverein auf der heutigen B55 in der Nähe der Pfarrkirche

Ausflug ins Grüne mit Musik und Bier anno 1910
Ausflug ins Grüne mit Musik und Bier anno 1910

Im Jahr 1912 posierten die Musiker der Bilsteiner Blaskapelle für dieses Foto
Im Jahr 1912 posierten die Musiker der Bilsteiner Blaskapelle für dieses Foto

Daran hat sich auch über 100 Jahre später nicht viel geändert, wenn man den Terminkalender des Jahres 2001 betrachtet.
Geändert haben sich aber sicherlich die Bedingungen, unter denen musiziert wurde: Während heute DI- bis DIII-Lehrgänge durchgeführt werden, konnten in der Anfangszeit außer den jeweiligen Dirigenten kaum Musiker Noten lesen.
Die Probenarbeit fand zunächst überwiegend in Häusern von Musikern statt. In den ersten Jahrzehnten stellte z.B. der erste Tenorhornist Johann Rath dem Verein fast zwanzig Jahre ein Übungszimmer kostenlos zur Verfügung. In den 40er Jahren wurde bei Heinrich Rath geprobt. Erst 1948 zog der Musikverein in die alte Schützenhalle Bilstein um.

Die Dirigenten der ersten Jahre wohnten alle vor Ort. 1896 jedoch übernahm dieses Amt Konrad Hoff, der sich zu Übungsstunden und Auftritten von Altenhundem aus zu Fuß(!) auf den Weg machte. Aber auch die Musiker wurden nicht geschont. So berichtet Peter Japes, der von 1925 an 60 Jahre lang im Verein aktiv war: "Damals, 1935/36, waren wir die Lehrlinge in dem Verein. Wir mussten die schweren Instrumente, Kontrabass, Tuba und Große Pauke, einen Tag vor dem Fest zu Fuß nach Benolpe schleppen und nach dem Fest wieder zurück. Der Musikverein bekam damals pro Mann 10 Mark für das ganze Fest." (Eberts 1988)

Wenn auch das Vereinsleben unter den beiden Kriegen litt, so wurde doch jeweils nach Kriegsende relativ schnell wieder mit der Probenarbeit begonnen. So feierte der Musikverein noch im Jahre 1918 sein 30-jähriges Bestehen.
Weitere Jubiläen wurden 1938 (50 Jahre), 1948 (60 Jahre), 1978 (90 Jahre) und 1988 (100 Jahre) begangen. Ebenfalls im Jahre 1988 bekam der Verein die Pro-Musica-Plakette verliehen.

Der Verein im Jubiläumsjahr 1938
Der Verein im Jubiläumsjahr 1938

Der Musikverein im Jubiläumsjahr 1978 zum 90-jährigen Bestehen. Rechts außen Dirigent Heinz Nies, links neben ihm der langjährige Vorsitzende Adolf Dahm (Tuba)
Der Musikverein im Jubiläumsjahr 1978 zum 90-jährigen Bestehen. Rechts außen Dirigent Heinz Nies, links neben ihm der langjährige Vorsitzende Adolf Dahm (Tuba)

Der Musikverein im Jubiläumsjahr 1988
Der Musikverein im Jubiläumsjahr 1988

In den 122 Jahren Vereinsgeschichte führten insgesamt 13 Männer den Dirigentenstab, sechs davon mit Erfahrungen als Militärmusiker (Hobicht 1888-89, Bernhard Arndt 1891-93, Hubert Sondermann 1920-46, Gottfried Röhl 1946-71, Joachim Pfläging 1998-99, Erwin Völkel seit 1999).

Während einige Kapellmeister dem Musikverein nur wenige Jahre vorstanden, taten dies Hubert Sondermann und Gottfried Röhl jeweils über 25 Jahre. Besonders unter Gottfried Röhl nahmen die Geschicke des Musikvereins einen neuen Verlauf. Seit Mitte der 50er Jahre arbeitete er bei der Firma Zeppenfeld in Oberveischede. Röhl war gleichzeitig Dirigent des Bilsteiner Musikvereins und der von Aloys Zeppenfeld sen. gegründeten Werkskapelle. Im Laufe der Jahre verschmolzen beide Orchester und seit Ende der 50er Jahre probte man im Speisesaal der Firma. 1979 siedelte der Verein aus der Firma in die Oberveischeder Schule um. Seit Sommer 2000, nach über 40 Jahren in Oberveischede, erklingen jetzt wieder Übungstöne aus der Schützenhalle Bilstein. Über viele Jahrzehnte setzt sich nun der Verein aus Musikern und Musikerinnen der Orte Bilstein, Kirchveischede und Oberveischede zusammen.

122 Jahre ist unser Musikverein alt, doch sicher nicht altmodisch: Schon seit 1977 wurden nicht nur junge Männer, sondern auch junge Frauen aufgenommen, von denen heute einige - seit nunmehr über 20 Jahren - immer noch aktiv sind.

Von Beginn der Vereinsgeschichte an fand kontinuierlich, bis auf wenige Ausnahmezeiten, Nachwuchsarbeit statt; teilweise ganz praktischer Natur, scheint es, denn so mancher Sohn und mancher Enkel trat in die Fußstapfen seines Vaters oder Großvaters. So sind heute einige Musiker und Musikerinnen Mitglieder des Vereins, deren Vorfahren bereits im Gründerjahr oder in den ersten Jahrzehnten im Musikverein Bilstein aktiv waren.

Zur Zeit befinden sich 18 Jungen und Mädchen in Ausbildung, die sich erfreulicherweise auf alle Registergruppen verteilen. Ziel der jetzigen Jugendarbeit ist der Aufbau eines Jugendorchesters, dessen Leitung in den Händen von Erwin Völkel liegt. Bereits nach noch nicht einmal einem Jahr Probenarbeit konnten die jungen Musiker und Musikerinnen auf der letztjährigen Weihnachtsfeier ihre Eltern und die "alten Hasen" des Musikvereins mit einigen kleinen Stücken von ihrem Können überzeugen. Freude daran hatten auch Musiker, die selbst in den 40er/50er Jahren dem Verein als "junge Hüpfer" beigetreten waren und nach mehreren Jahrzehnten des Musizierens aus gesundheitlichen Gründen leider aufhören mussten. Wenn sie auch nicht mehr aktiv an Proben oder Auftritten teilnehmen, sind sie doch dem Musikverein immer noch eng verbunden als interessierte und kritische Zuhörer, feiern bei gemütlichen Zusammenkünften gerne mit und tragen mit "Dönekes" aus vergangenen Jahren nicht unerheblich zu guter Laune bei.

Auf diesem Hintergrund kann der Musikverein Bilstein sicher beruhigt in die Zukunft blicken, um im Jahre 2013 sein 125-jähriges Bestehen feiern zu können.

Der Musikverein im Jahr 2001
Der Musikverein im Jahr 2001

Musikverein Bilstein 2008
Der Musikverein im Jahr 2008 anläßlich seines 120-jährigen Jubiläums